Lacan

Dienstag, 2. August 2005

Die Konformität der Perversion

Die Konformität der Perversion


Kirsten Hyldgaard



Es ist eine verbreitete Meinung, dass eine perverse Praktik Gesetze, konventionelle Normen und Sitten untergräbt und dass das perverse Subjekt eine Art Avantgarde gegen eine intolerante heterosexuelle Hegemonie darstellt. Im Folgenden möchte ich erörtern, dass die Perversion wenn überhaupt, einen erhaltenden Faktor darstellt indem es das, was die Psychoanalyse das Fehlen des ‚Anderen’ nennt, insofern verleugnet, dass sie im Gegenteil eine neurotische Struktur ist, welche Raum für die Möglichkeit der Veränderung schafft. Die Frage wird in Verbindung mit einer Diskussion darüber gestellt, wie man einen der berühmtesten Sätze und eine der bekanntesten Thesen Lacans, nämlich „das Begehren, ist das Begehren des Anderen“, auf die Perversion sowie auch auf Neurosen anwendet. Es ist eine besondere Herausforderung, diesen Satz auf die Perversion anzuwenden. In welchem Sinne kann man über Perversion als eine Variation über das Thema, dass das Begehren das Begehren des Anderen ist, denken? In einem weit verbreiteten und moralistischen Verständnis für dieses Thema, besteht das charakteristische Merkmal der Perversion zum einen im Ignorieren des Begehrens des anderen – sei es der Exhibitionist, der Päderast oder der Sadist – und zum anderen im Ignorieren von Normen, Moral und sozialen Regeln. Wenn man diese Diagnose der Perversion akzeptiert, wird die Angelegenheit nur von klinischem und/oder kriminologischem Interesse sein. Das vorausgesetzt, würde die Perversion darin bestehen, was die Phänomenologie eine „Verfallsform“ nennt, d.h. eine Abweichung von einer ursprünglicheren und fundamentaleren Form und Norm.

Es ist in der lacanianischen Psychoanalyse nicht völlig klar, ob die drei grundlegenden Strukturen – Neurose, Perversion und Psychosen – gleich ursprünglich sind, oder ob die neurotische, und um noch genauer zu sein, hysterische Struktur die ursprünglichste ist. Aber klar ist, dass es zwischen Neurose und Perversion grundlegende strukturelle Unterschiede gibt, die nicht auf Fragen der Normen, Moral oder Kriminologie beschränkt werden – charakteristische Merkmale, welche nicht in erster Linie eine Frage der Praxis, danach was das Subjekt sich selbst und anderen tut oder unterlässt zu tun, sind. Wie auch bei der Neurose, wo das Symptom nicht mit der Struktur verwechselt werden sollte, sollte die ‚perverse’ Praktik nicht mit der Struktur identifiziert werden. Ein Paradebeispiel wäre die Homosexualität, welche gleichermaßen Teil einer neurotischen, perversen und psychotischen Struktur sein kann.

Die Definition des menschlichen Daseins als ‚Begehren’ und des Begehrens als ‚Begehren des anderen’ sind ziemlich bekannte philosophische Punkte. Laut Kojève ist das Begehren, unterscheidbar vom tierischen Begehren, nur menschlich wenn das Begehren auf ein nicht natürliches Objekt gerichtet ist, und das einzige Objekt, das kein Element der Gruppe natürlicher Objekte ist, ist das Begehren selbst. Kojèves Beispiel für den Unterschied zwischen tierischem und menschlichem Begehren ist das Begehren zwischen Mann und Frau. Dieses Begehren kann nur als menschlich betrachtet werden, wenn das Begehren sich auf das Begehren des anderen richtet und nicht nur auf den Körper des anderen. Die menschliche Eigenschaft des Begehrens besteht darin, dass der Mensch begehrt von dem anderen begehrt zu werden. Jetzt könnte man denken, dass Prostitution und Pornographie Beispiele für die tierische Eigenschaft in menschlichem Begehren und sexueller Praktik sind. Aber die merkwürdige Tatsache, dass die Simulation ein wesentlicher Teil der Praxis von Prostituierten und Pornodarstellern ist – sie begehren immer energisch und laut und der hartnäckige Mythos von der „glücklichen Hure“: dass die Prostituierte sich prostituiert weil sie es mag – zeigt, dass auch was Prostituierte angeht, die Phantasie über das Begehren des anderen unentbehrlich ist, nicht nur der manipulative Körper des anderen.

Das psychoanalytische Konzept des Begehrens ist dennoch unbewusst. Ein Verlangen und ein Wunsch können (vor)bewusst sein, weshalb eine lacanianische Übersetzung von Kojèves Behauptung oder Axiom lauten würde: das Verlangen/der Wunsch ist das Verlangen/der Wunsch des anderen. Die Originalität Lacans besteht im Begehren und im Fehlen, welches eine Frage des Fehlens des Anderen ist, nicht des Fehlens des Subjekts. Laut Lacan ist die Frage, was damit gemeint ist das Begehren des anderen zu Begehren. Bedeutet es, dass ‚ich’ begehre dass der andere ‚mich’ begehrt, dass ‚ich’ begehre das Objekt des Begehrens des anderen zu sein? Für Lacan ist der andere, der Andere und der Grund des kleinen ‚a’ ist zunächst, dass die Frage gestellt wird: was ist das Objekt des Begehrens des Anderen? Das Begehren wird nicht dadurch bestimmt, dass der andere mich begehrt, sondern durch das Fragen des Wesens des Anderen danach, was der Andere begehrt und was dem Anderen fehlt. Es muss ein Rätsel, eine Frage geben, bevor der besondere andere in die Position des Anderen gesetzt werden kann: was will der Andere, was will der Andere von mir, worauf richtet sich das Begehren des Anderen. Ein Beispiel dafür könnte die bezeichnende Anzahl von Bildern so genannter narzisstischer Frauen in Literatur und Malerei sein: Frauen die Chaiselongues schmücken wo die einzigen Objekte, die sie zu begehren scheinen, Süßigkeiten sind. Dieses wiederkehrende Bild von der Frau ist dazu geeignet, das Begehren des anderen zu erregen und nicht notwendigerweise Frauen, welche aktiv den Mann zum Objekt der Begierde machen. Die letztere wird gewöhnlich als Vamp bezeichnet und abgesehen von den Bildern auf der pornographischen Retina, wird der Vamp schnell als vulgär und abstoßend betrachtet, einfach weil sie nicht die grundlegende und berühmte Frage Freuds, „Was will eine Frau?“, aufwirft. Sie kann nicht auf die Ebene des personifizierten Rätsels, Mysteriums gehoben werden und sie kann nicht an die Stelle des Anderen gesetzt werden. Um Begehren zu erregen, muss die Möglichkeit bestehen, die Frage danach zu stellen, was er oder sie begehren.

Nun ist das alles zweifellos sehr plausibel was die verbreitete Vorstellung und das Ideal einer liebevollen und herzlichen Beziehung angeht. Eine Vorstellung des ‚Kicks’, bestehend in der Erregung des Begehrens des Anderen und in der Bemühung, die Wünsche des Anderen durch das Darstellen all dessen, was der Andere sich möglicherweise wünschen könnte, zu erraten und zu erfüllen. Doch dies ist kaum ein zufrieden stellender Horizont für eine Analyse dessen, was in normalen neurotischen Beziehungen geschieht und besonders nicht was die Frage der Perversion und des perversen Paares angeht.

In der Perversion wirft das Begehren des anderen keine Frage auf, genauer gesagt, darf das Begehren des anderen keine solche Frage stellen. Vielmehr ist der andere eine Marionette in dieser Szenerie, welche eine unumgängliche Notwendigkeit ist damit die Befriedigung des perversen Subjekts erreicht wird. Wenn der andere seine oder ihre Rolle vergisst oder nicht in der Lage ist, seine oder ihre Rolle in der Phantasie des Subjekts über den anderen zu spielen – zum Beispiel die eines schäumenden gierigen Vamps oder im Gegenteil, die einer unschuldigen, asexuellen Lolita die von dem Perversen verdorben werden kann – dann bricht die Szene oder das Setting zusammen. Dies ist einer der Gründe, warum Perverse oft dazu gezwungen sind, die Professionellen, d.h. die Prostituierten aufzusuchen da diese dafür bezahlt werden, dass das Begehren nicht als eine Frage auftaucht. Das ist wahrscheinlich die Definition von und Vorbedingung für Professionalismus überhaupt.

Das die Prostituierte, oder allgemein der andere eine Marionette in der Phantasie des perversen Subjekts ist, kann erklären warum die Frage – wie die offensichtliche Simulation der Prostituierten eine Wirkung haben kann – naiv und davon abgesehen irrelevant ist. In der perversen Szenerie dominiert die scheinbar naive Illusion. Authentizität ist weder ein Thema noch ein Problem in der Perversion. Nur der Neurotiker sorgt sich darum, ob das Begehren und die Manifestation der Lust des Anderen, also des Liebhabers, authentisch sind. Das Begehren des Anderen in einer neurotischen Struktur ist niemals Anlass zu Wissen sondern nur Anlass zu Zweifel und Vermutung.

Im Gegensatz zum Neurotiker, weiß der Perverse was er begehrt. Die Beziehung des Perversen zum Begehren des anderen muss eine Beziehung des Wissens, nicht der Frage und nicht des fehlenden Wissens, sein. Der Masochist muss in der Lage sein, die Situation zu kontrollieren. Er muss die Szenerie entweder explizit durch detaillierte Beschreibungen von Kleidung, Richtung usw. oder indem er den anderen manipuliert ihn oder sie zu erniedrigen, instruieren. Der Höhepunkt des Masochisten ist erreicht, wenn er dem anderen glauben machen kann, dass es ihr Begehren ist ihn zu treten, zu schlagen und zu erniedrigen – wenn er sie glauben machen kann, sie sei keine Marionette an einem Faden sondern eine wahre Herrin und sie dazu bringt entsprechend zu handeln. Aus diesem Grund können Sadisten und Masochisten kein ideales Paar bilden. Das der Agent beider Teile Wissen ist, ist das Stichwort Kontrolle. Der andere darf niemals der Andere, niemals der Anlass ängstlichen Zweifels, sein.

Der Sadist muss herausfinden was der andere begehrt um in der Lage zu sein, die Schwachstellen zu treffen, das Begehren des anderen zu erniedrigen. Der Sadist kann das Begehren des anderen missachten, indem er in der Lage ist die Frage, was der andere begehrt zu beantworten. Er kann das Begehren des anderen erniedrigen, indem er z.B. großes Interesse vortäuscht und scheinbar liebevolle Aufmerksamkeit für das Begehren des anderen zeigt und somit herausfindet in welche Richtung es sich wendet und einstellt. Dann kann er mit Präzision zuschlagen und erniedrigen und sich weigern die Bedürfnisse des anderen zu befriedigen.

Der Ruhm einer der sehr unangenehmen Szenen in David Lynchs Wild at Heart ist berechtigt. Indem er Lula (Laura Dern) bedroht, bringt Bobby Peru (Willem Dafoe) sie dazu „fick mich“ zu sagen. Die Szene kann als ein Beispiel dafür dienen, dass es bei Sadismus nicht darum geht, den anderen zu zwingen etwas gegen seinen oder ihren Willen zu tun (Vergewaltigung, Zufügen von Schmerzen oder den anderen zwingen Begehren zu simulieren). Die Szene spielt mehr als deutlich darauf an, dass Lula tatsächlich begehrt gefickt zu werden als sie die vorgesagten Worte flüstert. Der Sadismus besteht darin, das Bobby Peru mit einem obszönen Grinsen zurück springt und sagt: „Eines Tages, Schatz, werde ich das. Aber ich muss gehen. Singe – weine nicht.“ Damit missachtet er das Begehren des anderen nicht indem er den anderen zu etwas zwingt das er nicht tun will, sondern im Gegenteil indem er das Begehren des anderen hervorruft, kann er sich danach entsprechend weigern das Verlangen des anderen zu befriedigen. Was die Szene zeigt, ist eine kultivierte Version des uralten Witzes über den Sadisten, der sich weigert das Verlangen des Masochisten, erniedrigt zu werden, zu befriedigen. Der Sadist triumphiert, oder besser freut sich hämisch, über den Mangel des anderen, das Begehren des anderen. Er weiß was dem anderen fehlt und noch wichtiger, ihm fehlt überhaupt nichts, er begehrt nicht. Er „muss gehen“. Etwas zwingt ihn „leider“ die Szene zu verlassen. Nicht ein Mangel an Wissen und Verlangen, dass sich auf den Anderen richtet, sondern sein Wissen ist der Agent der Praxis des Perversen. Kurz gefasst: Der andere ist nicht der Andere für den Perversen.

Ein Zitat aus Nabokovs Lolita könnte das Thema zusammenfassen: „Ich entdeckte eine nie versiegende Quelle robusten Vergnügens darin, mit den Psychiatern zu spielen: sie listig zum Narren zu halten; sie niemals wissen zu lassen, dass man all die Tricks der Branche kennt; komplizierte Träume im Stil reiner Klassiker für sie zu erfinden (welche sie, die Traum-Erpresser, dazu bringen zu träumen und schreiend aufzuwachen); sie mit falschen „Schlüsselerlebnissen“ zu ärgern; und ihnen niemals auch nur den geringsten kurzen Blick auf deine wirkliche sexuelle Zwangslage zu gewähren. Indem ich eine Schwester bestach, bekam ich Zugang zu einigen Akten und entdeckte, mit Freude, Karteikarten welche mich als ‚potentiell homosexuell’ und ‚völlig impotent’ bezeichneten.“

(Fortsetzung folgt…)

Donnerstag, 30. Juni 2005

Of Structure as the Inmixing of an Otherness Prerequisite to Any Subject Whatever

Über Struktur im Sinne der Einmischung von ‚etwas Anderen’ als Vorraussetzung für jegliches Subjekt

Heute Abend verbrachte jemand einige Zeit mit dem Versuch mich davon zu überzeugen, dass es für ein englischsprachiges Publikum sicher kein Vergnügen wäre, meinem schlechten Akzent zuzuhören und dass es für mich, wenn ich Englisch spräche, ein Risiko darstellen würde, welches man die Transmission meiner Aussage nennen könnte. Es ist wirklich so, dass es für mich, wenn ich es anders handhaben würde, eine große Gewissensfrage darstellt. Denn es stünde im absoluten Gegensatz zu meinem eigenen Konzept der Mitteilung: der Mitteilung wie ich sie Ihnen erläutern werde – dem Konzept der linguistischen Mitteilung. Heutzutage reden viele Menschen überall über Nachrichten. In einem Organismus ist ein Hormon eine Nachricht, ein Lichtstrahl von einem Satelliten oder zur Fernlenkung eines Flugzeugs ist eine Nachricht und so weiter. Aber die Nachricht in der Sprache ist absolut andersartig. Die Nachricht – unsere Nachricht – kommt in jedem Fall vom Anderen, womit ich meine ‚vom Ort des Anderen’. Das ist natürlich nicht der gewöhnliche andere, der andere mit einem kleinen ‚a’, deswegen habe ich dem Anderen, von dem ich jetzt spreche, ein großes ‚A’ als Anfangsbuchstaben gegeben. Da der Andere in diesem Fall, hier in Baltimore, natürlich englischsprachig zu sein scheint, würde ich mir wirklich Gewalt antun wenn ich Französisch spräche. Aber die Frage, die diese Person aufwarf, dass es vielleicht schwierig und sogar ein bisschen lächerlich für mich wäre Englisch zu sprechen, ist ein wichtiges Argument und ich weiß auch, dass hier viele französischsprachige Menschen anwesend sind, die absolut kein Englisch verstehen. Für sie wäre meine Entscheidung Englisch zu sprechen eine Sicherheit aber vielleicht möchte ich nicht, dass die sich zu sicher sind und in diesem Fall sollte ich auch etwas Französisch sprechen.

Lassen sie mich zuerst einen Rat über Struktur, welche der Gegenstand unseres Zusammentreffens ist, vorausschicken. Es kann geschehen, dass es Fehler, Verwirrung und mehr und mehr angepasste Verwendungen dieses Begriffes geben wird und ich denke das sich bald eine Art Marotte wegen dieses Wortes entwickelt.
Für mich ist das anders, denn ich benutze diesen Ausdruck schon sehr lange – seit Beginn meiner Lehrtätigkeit. Der Grund, weshalb etwas von meinem Standpunkt nicht besser bekannt ist liegt darin, dass ich mich nur an ein sehr spezielles Publikum gewandt habe, nämlich an das der Psychoanalytiker. Hier gibt es einige sehr eigentümliche Schwierigkeiten, denn Psychoanalytiker wissen worüber ich zu ihnen spreche und dass es für jemanden der Psychoanalyse praktiziert besonders schwierig ist mit diesem Thema umzugehen.

Das Subjekt ist keine einfache Sache für Psychoanalytiker, die sich mit dem Subjekt an sich beschäftigen. In diesem Fall möchte ich Missverständnisse und Méconnaissancen meines Standpunkts vermeiden. Méconnaissance ist ein französisches Wort welches ich gezwungen bin zu benutzen, da es keine Entsprechung im Englischen gibt. Méconnaissance impliziert präzise das Subjekt in seiner Bedeutung – und ich war auch gewarnt, das es nicht so leicht ist, vor einem englischsprachigen Publikum über das ‚Subjekt’ zu sprechen. Méconnaissance soll meine Subjektivität nicht verkennen. Was genau fraglich ist, ist der Status des Strukturproblems.

Als ich anfing Psychoanalyse zu lehren, verlor ich etwas an Publikum, denn lange zuvor erkannte ich die einfache Tatsache, dass wenn man ein Buch von Freud öffnet und besonders die Bücher, die vom Unterbewusstsein handeln, man absolut sicher sein kann – das ist keine Möglichkeit sondern eine Gewissheit – auf eine Seite zu stoßen, wo es nicht nur um Wörter geht – in einem Buch sind von Natur aus Wörter, viele gedruckte Wörter – sondern um Wörter die das Objekt darstellen, durch welches man nach einer Methode sucht das Unbewusste zu behandeln. Nicht nur die Bedeutung der Wörter, sondern Wörter in ihrer Seele, in ihrem wesentlichen Aspekt. Ein großer Teil von Freuds theoretischen Betrachtungen handelt von Wortspielerei in einem Traum oder Lapsus, oder wie es im Französischen genannt wird calembour, Homonymie oder auch die Unterteilung eines Wortes in viele Teile wobei jedes Wort nach seiner Abspaltung eine neue Bedeutung annimmt. Es ist seltsam, dass sogar in diesem Fall nicht absolut bewiesen ist, das Wörter nicht das einzige Material des Unbewussten sind. Es ist nicht bewiesen, aber es ist möglich (und ich habe sowieso nie gesagt, dass das Unbewusste eine Ansammlung von Wörtern wäre, sondern dass das Unbewusste genau strukturiert ist). Ich glaube nicht dass es ein derartiges Wort im Englischen gibt, aber es ist notwendig einen Terminus zu haben, da wir über Struktur sprechen und das Unbewusste als Sprache strukturiert ist. Was bedeutet das?

Genau genommen ist dies eine Redundanz, denn ‚strukturiert’ und ‚als Sprache’ bedeuten für mich genau dasselbe. ‚Strukturiert’ bedeutet meine sprachliche Äußerung, mein Wortschatz usw. was genau dasselbe ist wie ‚als Sprache’. Und das ist nicht alles. Welche Sprache? Weniger ich als meine Schüler hatten sehr große Probleme dieser Frage eine andere Bedeutung zukommen zu lassen und nach der Formel für eine reduzierte Sprache zu suchen. Was, fragen sie sich, sind die minimalen Vorrausetzungen um eine Sprache zu erschaffen? Vielleicht sind nur vier signantes, vier bezeichnende Elemente ausreichend. Es ist eine merkwürdige Übung, die, wie ich Ihnen hoffentlich gleich an der Tafel zeigen kann, auf einem kompletten Irrtum basiert. Es gibt einige Philosophen, nicht wirklich viele aber einige, die bei meinem Seminar in Paris anwesend waren und seitdem der Meinung sind, dass es keine Frage einer‚ untergeordneten’ Sprache oder einer ‚anderen’ Sprache ist, kein Mythos zum Beispiel oder Phoneme, sondern Sprache. Es ist außergewöhnlich wie viele Mühen es brauchte die Position der Frage zu ändern. Mythen zum Beispiel finden genau deshalb keinen Platz in unserer Erwägung, weil sie auch als Sprache strukturiert sind, und wenn ich sage ‚als Sprache’ meine ich nicht als eine besondere Art Sprache zum Beispiel mathematische Sprache, semiotische Sprache oder kinematographische Sprache. Sprache ist Sprache und es gibt nur eine Art Sprache: konkrete Sprache – Englisch oder Französisch zum Beispiel – die von Menschen gesprochen wird. Da es ist notwendig ist, dass alle so genannten Meta-Sprachen Ihnen durch Sprache dargeboten werden, muss man in diesem Kontext damit beginnen, dass es keine Meta-Sprache gibt. Man kann keine Mathematik lehren, indem man nur Buchstaben auf der Tafel verwendet. Es ist immer notwendig eine übliche Sprache zu verwenden die verstanden wird.

Das Unbewusste ist nicht nur als Sprache strukturiert, weil das Material des Unbewussten ein linguistisches Material ist, oder wie man in Frankreich sagt langagier. Die Frage die das Unbewusste Ihnen aufwirft, ist ein Problem, dass den sensibelsten Punkt in der Natur der Sprache berührt, die Frage des Subjekts. Das Subjekt kann nicht einfach mit dem Sprecher oder dem Personalpronomen eines Satzes bestimmt werden. Im Französischen ist das ennoncé der Satz, aber es gibt viele ennoncés in denen es keine Aufschlüsse über den gibt, der das ennoncé realisiert. Wenn ich sage: „Es regnet.“, ist das Subjekt der Formulierung kein Teil des Satzes. Jedenfalls gibt es hier eine Schwierigkeit. Das Subjekt kann nicht immer damit identifiziert werden was die Linguisten „den Schalter“ nennen.

Das Problem welches das Unbewusste uns vorlegt, ist kurz gesagt das etwas immer denkt. Freud erklärte uns, dass das Unbewusste über allen Gedanken steht und dass das was denkt, von dem Bewusstsein abgeriegelt ist. Diese Barriere findet viele Anwendungen, viele Möglichkeiten hinsichtlich der Bedeutung. Die wichtigste besteht darin, dass sie wirklich eine Barriere ist, eine Barriere über die man springen oder durch die man hindurch gelangen muss. Das ist wichtig, weil für Sie alles gut wäre, wenn ich diese Barriere nicht in den Vordergrund stelle. Wie man im Französischen sagt ça vous arrange, denn wenn jemand in einer unteren Ebene oder im Untergrund denkt, sind die Dinge einfach. Der Gedanke ist immer präsent und alles was man braucht, ist ein bisschen Bewusstsein für den Gedanken dass das lebende Wesen von Natur aus denkt und alles ist gut. Wenn das der Fall wäre, wäre der Gedanke naturgemäß vom Leben vorbereitet wie zum Beispiel der Instinkt. Wenn der Gedanke ein natürlicher Prozess ist, dann bestehen keine Schwierigkeiten mit dem Unbewussten. Aber das Unbewusste hat nichts mit Instinkt oder primitivem Wissen oder der Vorbereitung von Gedanken in einem Untergrund zu tun. Es ist ein Denken mit Worten, mit Gedanken die sich Ihrem Wachzustand entziehen, Ihrem Zustand der Wachsamkeit. Das Problem besteht darin, einen genauen Status für dieses andere Subjekt zu finden, welches genau die Art Subjekt ist die wir dadurch bestimmen können, indem wir unseren Startpunkt von der Sprache wählen.

Als ich diese kleine Rede für Sie vorbereitet habe, war es früh am Morgen. Durchs Fenster konnte ich Baltimore sehen und es war ein sehr interessanter Moment, denn es war noch nicht ganz hell, eine Neonreklame zeigte mir jede Minute das Fortschreiten der Zeit und es war dichter Verkehr und ich bemerkte, dass genau all das was ich sehen konnte, außer ein paar Bäumen in der Ferne, das Resultat von Gedanken – aktiv gedachten Gedanken war, bei welchen die Funktion der Subjekte nicht völlig offensichtlich war. Jedenfalls war in diesem sehr zeitweiligen oder verblassenden Zuschauen das so genannte ‚Dasein’ eine Definition des Subjekts. Das beste Bild, das Unbewusste zu charakterisieren, ist das des frühmorgendlichen Baltimore.

Wo ist das Subjekt? Es ist notwendig, das Subjekt als verlorenes Objekt zu erklären. Genauer gesagt, ist dieses verlorene Objekt die Unterstützung des Subjekts und in vielen Fällen unterwürfiger als man denken würde. In manchen Fällen, wie alle Psychoanalytiker und viele Menschen die sich einer Psychoanalyse unterzogen haben nur zu gut wissen, wird ihm etwas angetan. Darum ziehen es viele Psychoanalytiker vor zu einer allgemeinen Psychologie zurückzukehren, wie der Präsident der New Yorker Psychoanalysegesellschaft uns riet. Aber ich kann die Dinge nicht ändern. Ich bin ein Psychoanalytiker und wenn es jemand vorzieht sich an einen Psychologieprofessor zu wenden, ist das seine Sache.
Da wir von Psychologie reden: die Frage der Struktur ist kein Ausdruck den nur ich verwende. Seit langer Zeit haben Denker, Forscher und sogar Erfinder, die sich mit dem Problem der Psyche beschäftigten, die Idee der Einheit als wichtigste und charakteristischste Eigenschaft der Struktur vorangetrieben. Das ist offensichtlich, wenn man sich diese vorstellt, als etwas das schon in der Realität eines Organismus besteht. Der vollständig entwickelte Organismus ist eine Einheit und funktioniert als Einheit. Die Frage wird komplizierter, wenn diese Idee der Einheit auf die Funktionsweise der Psyche angewandt wird, denn die Psyche ist an sich keine Gesamtheit. Aber diese Ideen in der Form einer absichtlichen Einheit waren, wie Sie wissen, die Basis der ganzen so genannten Phänomenologischen Bewegung.

So ist es auch mit der Physik und Psychologie was die so genannte Gestaltlehre und die Idee der bonne forme, dessen Funktion es zum Beispiel war sich mit einem Wassertropfen zu vereinigen, und kompliziertere Ideen, betrifft. Und großartige Psychologen und sogar die Psychoanalytiker sind ergriffen von der Idee der ‚totalen Persönlichkeit’. Auf jeden Fall ist es immer die Vereinheitlichung der Einheit die im Vordergrund steht. Ich habe das nie verstanden, da ich ein Psychoanalytiker bin und ich bin auch ein Mensch und als Mensch hat mir meine Erfahrung gezeigt das der prinzipielle Charakter meines menschlichen Lebens und ich bin mir sicher auch der der Menschen hier - und wenn jemand nicht dieser Meinung ist hoffe ich er hebt seine Hand - ist, dass das Leben etwas ist das, wie man im Französischen sagt á la dérive voranschreitet. Das Leben geht flussabwärts, berührt von Zeit zu Zeit ein Ufer und steht für eine Weile hier und da still, ohne irgendetwas zu verstehen – und das ist das Prinzip der Analyse: das niemand irgendetwas von dem versteht, was geschieht. Die Idee der Vereinheitlichung der Einheit des menschlichen Zustands hatte auf mich schon immer den Eindruck einer skandalösen Lüge.

Wir können versuchen ein neues Prinzip einzuführen, um diese Dinge zu verstehen. Wenn wir manchmal versuchen die Dinge aus der Position des Unbewussten zu verstehen, dann deshalb, weil das Unbewusste uns etwas in Worten artikuliertes mitteilt und wir vielleicht nach deren Prinzip forschen können.

Ich schlage vor, dass sie die Einheit in einem anderen Licht betrachten. Keine vereinheitlichende Einheit sondern die zählbare Einheit eins, zwei, drei. Nach 15 Jahren habe ich meine Schüler gelehrt, maximal bis zur Fünf hochzuzählen, was schwierig ist (die Vier ist einfacher) und sie haben das gut verstanden, aber für den heutigen Abend gestatten Sie mir bei der Zwei zu bleiben. Natürlich behandeln wir hier das Problem der ganzen Zahl und ich denke dieses Problem ist nicht so einfach wie viele Menschen hier zu wissen meinen. Zählen ist natürlich nicht schwierig. Es ist nur notwendig, eine bestimmte Zahl von Mengen und eine Eins-zu-eins-Entsprechung zu haben. Es ist zum Beispiel eine Tatsache, dass hier genauso viele Personen sitzen wie Sitzplätze da sind. Aber es ist notwendig eine Ansammlung aus ganzen Zahlen zu haben um eine ganze Zahl oder eine so genannte natürliche Zahl zu schaffen. Sie ist selbstverständlich teilweise natürlich aber nur in dem Sinne, dass wir nicht verstehen, warum sie existiert. Zählen ist kein empirischer Fakt und es ist unmöglich den Vorgang des Zählens allein von empirischen Daten abzuleiten. Hume versuchte es nur, aber Frege demonstrierte die Unbeholfenheit des Versuchs perfekt. Die wirkliche Schwierigkeit liegt in der Tatsache, dass jede ganze Zahl in sich selbst eine Einheit bildet. Die Sache bleibt angenehm, wenn ich die Zwei als Einheit nehme, Männer und Frauen zum Beispiel – Liebe plus Einheit! Jedoch ist das nach einer Weile beendet und nach dieser Zwei ist niemand mehr da, außer vielleicht einem Kind. Aber das ist eine andere Ebene und die Drei zu erzeugen ist eine andere Angelegenheit.
Wenn man versucht die Theorien der Mathematiker in Bezug auf Zahlen zu lesen, findet man die Formel „n plus 1 (n +1)“ als Basis für all diese Theorien. Der Schlüssel zur Entstehung von Zahlen ist dieses „eins mehr“ und statt dieser Vereinheitlichung der Einheit die im ersten Fall die Zwei erschafft, schlage ich vor sie betrachten die tatsächliche numerische Entstehung der Zwei.

Diese Zwei muss die erste ganze Zahl erschaffen, welche noch nicht als Zahl geboren ist bevor die Zwei erscheint. Man macht das möglich, weil es die Zwei gibt, die die Existenz der ersten Zahl garantiert. Setzt man zwei an den Platz der Eins und folglich entsteht die Drei anstelle der Zwei. Was wir hier haben, ist das, was ich die Markierung nenne. Sie haben schon etwas, was markiert oder unmarkiert ist. Es ist das erste Teilziel, das wir den Status der Sache haben. Das ist genau die Art in der Frege die Entstehung der Zahl erklärt: die Klasse die durch nichts charakterisiert ist, ist die erste Klasse. Man setzt die Eins anstelle von Null und danach ist es leicht zu verstehen wie die Stelle der Eins die zweite Stelle wird, die Platz macht für Zwei, Drei usw. Die Sache der Zwei ist für uns die Sache des Subjekts und damit erreichen wir hier eine Tatsache psychoanalytischer Erfahrung insofern, dass die Zwei die Eins nicht vervollständigt um zwei zu machen sondern die Eins wiederholen muss um zu gestatten, dass die Eins existiert. Die erste Wiederholung ist die einzige die notwendig ist, um die Entstehung der Zahl zu erklären und die einzige Wiederholung die nötig ist um den Status des Subjekts zu erschaffen. Das unbewusste Subjekt ist etwas, dass dazu tendiert sich selbst zu wiederholen aber nur eine solche Wiederholung ist nötig um es zu erschaffen. Dennoch, lassen sie uns einen genauen Blick darauf werfen, was für das Zweite nötig ist um das Erste zu wiederholen, damit eine Wiederholung möglich ist. Diese Frage kann nicht so schnell beantwortet werden. Wenn man diese Frage zu schnell beantwortet, antwortet man, dass es notwendig sei, dass sie gleich sind. In diesem Fall müsste das Prinzip der Zwei, das von Zwillingen sein. Wieso nicht gleich Drillinge oder Fünflinge? Zu meiner Zeit brachten wir den Kindern bei, dass die nichts hinzufügen dürfen. Zum Beispiel Mikrofone zu Wörterbüchern. Aber das ist völlig absurd, denn wir würden keine Hinzufügung wollen, wenn wir nicht Mikrofone mit Wörterbüchern verbinden könnten oder wie Lewis Carroll es ausdrückt, Kohlköpfe mit Königen. Die Gleichheit besteht nicht in den Dingen an sich sondern in ihrer Markierung welche es möglich macht, Dinge zu verbinden ohne über irgendetwas, wie über ihre Unterschiede, nachzudenken. Die Markierung verursacht, dass der Unterschied ausradiert wird und dies ist der Schlüssel zu dem was mit dem Subjekt, dem unbewussten Subjekt in der Wiederholung, geschieht.
Weil man weiß dass dieses Subjekt etwas besonders bedeutendes wiederholt, befindet sich das Subjekt hier zum Beispiel in dieser unklaren Sache, die wir in manchen Fällen Trauma oder in anderen Fällen außerordentliche Freude nennen. Was geschieht? Wenn die ‚Sache’ in dieser symbolischen Struktur existiert und dieses einheitliche Merkmal entscheidend ist, ist die Eigenschaft der Gleichheit gegeben. Damit es diese ‚Sache’, die hier in Ihnen gesucht wird, geben kann, ist es notwendig, dass das erste Merkmal ausradiert wird, da das Merkmal an sich eine Modifikation darstellt. Es geht darum jeglichen Unterschied zu beseitigen und in diesem Fall ist diese erste ‚Sache’ ohne dem Merkmal verloren. Der Grund für dieses Beharren auf Wiederholung liegt darin, dass Wiederholung in ihrem Wesen als Wiederholung der symbolischen Gleichheit unmöglich ist. Jedenfalls ist das Subjekt die Folge dieser Wiederholung insofern, dass es den ‚Schwund’, die Verödung der ersten Fundamentierung des Subjekts notwendig macht, was der Grund dafür ist, dass das Subjekt, in seinem Status, immer als ein geteiltes Wesen dargestellt wird. Das Merkmal, darauf bestehe ich, ist identisch aber es gewährleistet nur den Wesensunterschied, nicht durch den Einfluss von Gleichheit oder Unterschiedlichkeit sondern durch den Wesensunterschied. Das ist leicht zu verstehen: wie man im Französischen sagt, je vous numérotte. Ich gebe Ihnen jeweils eine Nummer und dies gewährleistet die Tatsache, dass Sie von den Nummern her verschieden sind aber nicht mehr als das.

Was können wir intuitiv vorschlagen um zu zeigen, dass das Merkmal in etwas gefunden werden kann, was gleichzeitig eins oder zwei ist? Betrachten sich die folgende Darstellung die ich, nach einer sehr bekannten Ziffer, umgekehrte Acht nenne:

moebius

Man kann sehen, dass die Linie in diesem Fall für entweder eine oder zwei Linien gehalten werden kann. Diese Darstellung kann, in dem Knoten der das Subjekt bildet, als Grundlage einer Art wesentlicher Prägung am Ursprung angesehen werden. Das geht viel weiter, als man zunächst annehmen könnte, denn die Art Oberfläche, die solche Prägungen annehmen kann, kann man erforschen. Sie können vielleicht verstehen, dass die Kugel, das alte Symbol für Ganzheit, unpassend ist. Ein Torus, eine Klein-Flasche oder eine quer eingeschnittene Oberfläche können eine solche Prägung bekommen. Und diese Vielfalt ist sehr wichtig, da sie vieles über die Strukturierung von Geisteskrankheit erklärt. Wenn man das Subjekt mit dieser grundlegenden Prägung symbolisiert, kann man ebenso zeigen, dass eine Prägung auf einem Torus dem neurotischen Subjekt entspricht und eine quer eingeschnittene Oberfläche einer anderen Geisteskrankheit. Ich werde das Ihnen nicht heute Abend erklären, aber um diese schwierige Rede zu beenden muss ich die folgende Präzisierung vornehmen.

Ich habe nur den Beginn der Reihe von ganzen Zahlen betrachtet, weil es ein Punkt zwischen Sprache und Realität ist. Sprache ist durch dieselbe Art von einheitlichen Merkmalen begründet, die ich nutzte, um das die Eins und das Eins mehr zu erklären. Aber dieses Merkmal in der Sprache ist nicht identisch mit diesem einheitlichen Merkmal, da wir in der Sprache eine Ansammlung von unterschiedlichen Merkmalen haben. Mit anderen Worten, können wir sagen, dass Sprache durch eine Menge von Signifikanten, zum Beispiel ba, ta, pa, eine begrenzte Menge, gebildet wird. Jeder Signifikant kann denselben Prozess hinsichtlich des Subjekts unterstützen und es ist sehr wahrscheinlich, dass der Prozess der ganzen Zahlen nur ein besonderer Fall dieser Beziehung zwischen den Signifikanten ist. Die Definition dieser Ansammlung von Signifikanten ist, dass sie das bilden was ich ‚der Andere’ nenne. Der Unterschied der durch die Existenz von Sprache gewährleistet wird, besteht darin dass jeder Signifikant (im Gegensatz zum einheitlichen Merkmal der ganzen Zahl) in den meisten Fällen nicht identisch mit sich selbst ist, gerade weil wir eine Ansammlung von Signifikanten haben und ein Signifikant in dieser Ansammlung sich entweder selbst bezeichnen kann oder nicht. Dies ist allgemein bekannt und das Prinzip von Russells Paradox. Wenn man die Menge aller Elemente nimmt, die nicht sich selbst angehören, führt einen diese Menge, die man mit solchen Elementen erschafft, zu einem Paradox, welches wiederum, wie sie wissen, zu einem Widerspruch führt. Einfach ausgedrückt, bedeutet das nur, dass nichts in einem Universum von Vorträgen alles enthält und hier finden Sie wieder die Kluft, die das Subjekt ausmacht. Das Subjekt ist die Einführung eines Realitätsverlusts, doch nichts kann das einführen, denn durch ihren Status ist Realität ist so vollständig wie möglich. Die Vorstellung eines Verlustes ist die Folge die durch das Beispiel für das Merkmal gewährleistet wird. Dieses stellt a1, a2 und a3 mit der Intervention des Buchstabens den man bestimmt und die Stellen sind Zwischenräume für einen Mangel. Wenn das Subjekt die Stelle des Mangels einnimmt, wird ein Verlust in das Wort eingeführt und das ist die Definition des Subjekts. Aber um das festlegen zu können, ist es notwendig das was ich das Anderssein im Bereich der Sprache nenne, in einem Kreis zu definieren. Alles was Sprache ist, ist von diesem Anderssein geliehen und dies ist der Grund, warum das Subjekt immer eine nachlassende Sache ist, die unter der Kette von Signifikanten läuft. Denn die Definition eines Signifikanten ist, dass er ein Subjekt nicht für ein anderes Subjekt vertritt, sondern für einen anderen Signifikant. Dies ist die einzige mögliche Definition für einen Signifikant, die ihn von dem Zeichen unterscheidet. Das Zeichen ist etwas, dass etwas für jemanden verkörpert aber der Signifikant ist etwas, das ein Subjekt für einen anderen Signifikanten verkörpert. Die Konsequenz daraus ist, dass das Subjekt genau dann verschwindet, wenn der Fall der zwei einheitlichen Merkmale eintritt, während unter dem zweiten Signifikanten das erscheint, was man Bedeutung oder Sinn nennt. Und dann erscheinen der Reihe nach die anderen Signifikanten und anderen Bedeutungen.

Das Problem des Verlangens besteht darin, dass das verschwindende Subjekt sich danach sehnt, sich selbst mittels einer Art Begegnung mit dieser wundersamen Sache, die durch Illusion geprägt ist, wieder zu finden. In seinem Bemühen wird es durch das, was ich das verlorene Objekt nenne das ich zu Beginn heraufbeschwor, aufrechterhalten, welches eine so fürchterliche Sache für die Fantasie ist. Das was hier erzeugt und erhalten wird und ich in meinem Vokabular das Objekt klein a nenne, ist bei allen Psychoanalytikern sehr bekannt da die gesamte Psychoanalyse sich auf die Existenz dieses besonderen Objekts gründet. Doch die Beziehung zwischen diesem abgeriegeltem Subjekt und diesem Objekt (a) ist die Struktur welche immer in der Fantasie gefunden wird, die das Verlangen insofern unterstützt, als dass das Verlangen nur das ist, was wir die Metonymie aller Bedeutung nennen.

In diesem kurzen Vortrag habe ich versucht Ihnen zu zeigen, was das Problem der Struktur innerhalb psychoanalytischer Realität ist. Dennoch habe ich nichts über solche Dimensionen wie die imaginäre und die symbolische gesagt. Natürlich ist es absolut unabdingbar zu verstehen, wie die symbolische Ordnung in das vécu, das Gelebte und Erfahrene des geistigen Lebens, eindringen kann aber heute Abend kann ich eine solche Erläuterung nicht weiterführen. Bedenken sie dennoch die gleichzeitig am wenigsten bekannte und sicherste Tatsache über dieses mythische Subjekt welches die vernünftige Phase des Lebendigen darstellt: dieses unergründliche Ding, das dazu fähig ist zwischen Geburt und Tod etwas zu erfahren und fähig das ganze Spektrum von Schmerz bis Freude in einem Wort zu erfassen, das man im Französischen sujet de la jouissance nennt. Als ich diesen Abend hierher kam, sah ich auf der kleinen Neonreklame den Spruch „Enjoy Coca-Cola“. Das erinnerte mich daran, dass es im Englischen, so denke ich, keinen Ausdruck gibt der dieses enorme Gewicht der Bedeutung, welches in diesem französischen Wort jouissance - oder im lateinischen fruor - liegt, genau bezeichnet. Im Wörterbuch suchte ich jouir und fand „besitzen, benutzen“ aber das ist es ganz und gar nicht. Wenn das lebendige Wesen alles Mögliche ist, ist es vor allem das Subjekt der jouissance. Aber dieses psychologische Gesetz, dass wir das Prinzip der Freude nennen (welches nur das Prinzip des Missfallens ist) muss sehr bald eine Abgrenzung zur ganzen jouissance herstellen. Wenn ich mich ein wenig zu sehr amüsiere, beginne ich Schmerz zu fühlen und ich mäßige meine Freude. Der Organismus scheint dazu geschaffen zu sein, zu viel jouissance zu verhindern. Wahrscheinlich wären wie alle so still wie Austern wenn wir diese merkwürdige Organisation hätten, die uns zwingt die Abgrenzung der Freude zu unterbrechen oder uns dazu bringt vielleicht auch nur davon zu träumen, zu drängen und diese Abgrenzung zu unterbrechen. All das ist von der subjektiven Konstruktion auf der Skala des Signifikanten in seiner Beziehung zu dem Anderen durchorganisiert. Und was seine Wurzeln in der Sprache hat, ist nur da um das ganze Spektrum von Verlangen möglich zu machen, damit wir uns an diese verbotene Art jouissance, die einzige Bedeutung von Wert die uns in unserem Leben angeboten wird, annähern und sie testen können.

(Da Dr. Lacan, wie er in seiner Einleitung bemerkte, seine Rede abwechselnd in Englisch und Französisch und teilweise in einer Zusammensetzung der beiden Sprachen halten wollte, repräsentiert dieser Text eine bearbeitete Niederschrift und Umschreibung seines Vortrags.)

Übersetzung aus dem Englischen (c) tüpfelhyäne
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sterbende Tomaten tanzen auf dem freeway tango

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